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Ein Pistenfahrzeug - mehr als ein Bubentraum

Manchmal auch ein Albtraum. Wir wussten es schon lange, eines Tages, würde es soweit sein, eines Tages würde unser altes Steinzeitmodell von Pistenfahrzeug seinen Geist aufgeben. Wäre da nicht Josias Hafen gewesen, der wie ein zuverlässiger Hausarzt das alternde und kränkelnde Fahrzeug immer wieder auf Vordermann gebracht hätte und Hitsch Kessler, der die Maschine wie ein liebevoller Krankenpfleger umsorgte, ich weiss nicht, wie wir den letzten Winter überstanden hätten. Aber der Hausarzt musste immer häufiger gerufen werden, die Ersatzteile waren immer schwieriger zu bekommen und der Reparaturaufwand wurde immer grösser. Letzten Endes blieb nur noch nach einem Ersatz zu suchen. Hitsch und René verbrachten im letzten Winter Stunden mit der Suche nach einem Nachfolger für unseren Kässbohrer. Einmal glaubten wir schon, eine vernünftige Ersatzlösung gefunden zu haben. Mit einem Sondertransport wurde, mitten im Winter, ein ebenfalls bereits in die Jahre gekommenes Pistenfahrzeug nach Langwies gebracht und kam sogleich zum Testeinsatz. Doch bald stellte sich heraus, dass dieses Fahrzeug auf der Strecke ins Heimeli überfordert war, seine Kraft reichte einfach nicht aus. Und so ging die Suche weiter. Dann endlich wieder ein Lichtblick. Diesmal im Engadin. Anfang Sommer reisten Hitsch und René nach Pontresina, um einen neuen Kandidaten für unsere Heimeli-Piste in Augenschein zu nehmen. Aber die Maschine war gross, sehr gross sogar und auch nach mehrmaligem Messen mit den unterschiedlichsten Massbändern und Doppelmetern war man sich nicht sicher, ob der Husky von Prinoth nicht doch zu breit für den Weg ins Heimeli sein würde. Man versuchte es mit 'Kleinreden', aber davon wurde das Gefährt auch nicht kleiner. Es ging nicht um cm, es ging um mm. Weil aber die etwas moderneren 'kleinen' Pistenfahrzeuge von den Herstellern grösser gebaut werden als deren Vorgängermodelle, war man sich bald einig, Probieren geht über Studieren. Anfang November, mit dem ersten Schnee, machten sich Yves von Prinoth, Joos, unser neuer Pistenfahrzeugprofi, Hitsch unser erfahrener Maschinist sowie René auf den Weg ins Abenteuer «geht es oder geht es nicht». Ich selber sass zu Hause und konnte kaum erwarten, endlich zu erfahren, ob man sich bezüglich Mass verschätzt hatte oder eben nicht. Dann endlich, das erlösende «Pling» auf dem Handy – die Ankündigung eines Bildes. Darauf zu sehen ein leuchtend gelbes Pistenfahrzeug, direkt vor dem Heimeli. Der Anruf hat sich erübrigt und ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte, aber ein einziges Wort hätte auch gereicht: «Geschafft!»

Als dann, zu Beginn unserer Saison Ende November, Joos noch einmal ins Heimeli fahren wollte, um sicher zu gehen, dass die Piste, bei diesem bisschen Schnee der nun lag, auch gut genug sei, kam die erste grosse Enttäuschung. Kurz nach den Eisfällen bei der «höcha» Brugg, war kein Weiterkommen möglich. Die Gummiraupen hatten keine Chance bei diesem eisigen Untergrund. Natürlich waren unsere Männer nicht so blauäugig, einfach zu denken, das mit den mitgelieferten Raupen, würde dann schon gehen. Aber in Metallraupen zu investieren, bevor man nicht einmal sicher war, ob das Gefährt den Breitetest oder besser ausgedrückt den «Schmäletest» überhaupt bestehen würde, machte wohl wenig Sinn.

Vergangenen Montag dann, wurden die neuen Raupen geliefert. Joos und Yves tauschten die Gummiraupen gegen Metallraupen aus. Ich selber war im Heimeli und stand einmal mehr unter Spannung. Was, wenn das mit den neuen Raupen auch nicht geht? Was wenn dieses Pistenfahrzeugthema doch noch zum Albtraum werden würde? Was wenn…? Kurz nach dem Mittag hörte ich ein Motorengeräusch. Es war kein Quad, auch kein Traktor oder gar ein Mugg, es war der sehnlichst erwartete Husky. Nicht, dass ein neues Pistenfahrzeug einen ganzen Winter retten würde, aber ohne gibt es kaum eine befriedigende Wintersaison fürs Heimeli, da ohne präparierte Piste das Führen eines Berggasthauses, so wie es das Heimeli heute ist, kaum mehr möglich ist. Das war und ist uns allen klar. Also – der Winter scheint fürs erste, zumindest was den Weg betrifft, gerettet.

Übrigens noch zu unserem Pistenprofi: Wir haben das grosse Glück, das Joos Engel aus Langwies, sich künftig um den Heimeli-Schlittel- und Winterwanderweg kümmern wird. Neun Jahre war Joos bei den Bergbahnen Arosa als Pistenfahrzeugfahrer tätig, zuletzt als Gruppenleiter. Wenn einer weiss, wie man eine perfekte Piste hinbekommt, wie man auch mit einem breiten Gefährt durch eine schmale Strasse gelangt, und was es mit dem Schnee, seiner Beschaffenheit und seinen Tücken auf sich hat, dann er.

Joos führt zusammen mit seiner Lebenspartnerin einen Biohof mit Braunvieh und Schottischen Hochlandrindern. Er ist Vater einer Tochter und eines kleinen Jungen. Das dritte Kind wird voraussichtlich im März zur Welt kommen. Um künftig mehr Zeit für die Familie zu haben, hat sich Joos entscheiden, sich von den Arosa Bergbahnen zu verabschieden und künftig die Verantwortung für die Heimeli-Piste zu übernehmen. Ein Grossskigebiet wie Arosa es ist, können wir dir, Joos, natürlich nicht bieten, aber dafür die Zugehörigkeit zur Heimeli-Familie und seinem coolen Team. Herzlich Willkommen!

P.S. Wir hoffen natürlich, dass wir künftig Josias Hafen nicht mehr so oft rufen müssen, aber wir sind dankbar, wenn wir auch in Zukunft auf ihn zählen dürfen. Danke Josias für all deine Einsätze. Ein Dank geht auch an Hitsch Kessler für seine Einsätze und die Unterstützung bei der Beschaffung eines neuen Pistenfahrzeuges und seine Bereitschaft auch weiterhin beim Fahren auszuhelfen.

            

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